Jurahäuser und ihre Geschichte

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Historisch belegt sind Jurahäuser bereits seit dem 12. Jahrhundert; sie waren bis in die 1950er Jahre der in der Altmühljuraregion dominierende Hausstil.

Charakteristische Merkmale sind flach geneigte Dächer mit Legschiefereindeckung, mächtige Dachstühle wegen des Gewichts dieser Dächer, ein meist fehlender oder geringer Dachüberstand sowie eine schnörkellose Fassade mit relativ kleinen quadratischen Fenstern. Jurahäuser sind ursprünglich Holzfachwerkbauten. Ab der 2. Hälfte des 19. Jhdts. setzte sich der Massivbau mit Bruchsteinen durch, vor allem im unteren Hausbereich. Der obere Bereich wurde aber zumindest „optisch versteinert“, d.h. die Fachwerke wurden komplett verputzt

Einzigartig ist die Art der Dachdeckung, die im Jahr 1828 für etwas steilere Dächer von Glasermeister Josef Weittenhiller entwickelt wurden: die sog. Zwicktaschen. Sie werden ebenfalls aus Kalksteinplatten gefertigt, von Hand mit einer Kneifzange in Form Biberschwanzziegels gezwickt und an einem gebohrten Loch über einen Nagel auf der Dachlattung aufgehängt.

(Foto oben: heute abgerissenes Jurahaus in Nassenfels, Sammlung Rudolf Hager, Eichstätt)

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Warum gerade in der Altmühljura-Region Jurahäuser entstanden?

Der Legschiefer für die Dächer sowie alle anderen Baumaterialen wurden in der näheren Umgebung gewonnen. So ergab sich das Verbreitungsgebiet: In einem Radius von 25 km um die Steinbrüche, da die Steine mit Ochsenkarren transportiert wurden. Jurahäuser gab und gibt es entlang des Altmühls von Treuchtlingen bis Regensburg sowie auf den angrenzenden Hochflächen und Seitentälern. 

Jurahäuser waren und sind nicht charakteristisch für nur eine Bevölkerungsschicht.  So gibt es den einfachen Jurastadel, kleine Taglöhner- und Hirtenhäuser, große repräsentative Moierhöfe oder Mülleranwesen und sogar (Vor-)Burgen und Schlösser. 

Verfall und Wiederentdeckung

Nach dem 2. Weltkrieg begann die Zeit des großen Jurahaussterbens. Einerseits wurden Bauvorschriften liberalisiert, die Arbeitskosten für den Erhalt stiegen, die zeitaufwendige Gewinnung und Verlegung der Steinplatten verteuerte die Dachdeckung mit Legschiefer. Zum anderen verband die Nachkriegsgeneration mit Jurahäusern ein Leben voller Entbehrungen, fehlende Wärme und wenig Licht. Man wollte neu und „modern“ bauen - viele Jurahäuser wurden abgerissen oder blieben dem Verfall überlassen.

Erst Ende der 1980er Jahre begann ein Umdenken. Die jüngere Generation entdeckte den traditionellen Bautyp neu. Was den Eltern oder Großeltern als „unmodern“ erschienen war, gewann wieder an Bedeutung: Natürliche Baumaterialen, schlichte Formen.